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Alt 24.03.2020, 18:33   #201  
Crackajack Jackson
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Ja, immer mal was neues. Wie bei der Lindenstraße.
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Alt 24.03.2020, 22:56   #202  
FrankDrake
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Lindenstrasse? Die FF werden auch eingestellt?

Mehr als ein Westfale kann der Mensch nicht werden!
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Alt 25.03.2020, 04:23   #203  
Crackajack Jackson
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Die waren ein paar Jahre lang weg vom Fenster, aber 2018 sind sie neu erschienen, geschrieben von Dan Slott, der mindestens genauso gut ist, wie H.W.Geißendörfer.
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Alt 25.03.2020, 05:17   #204  
Marvel Boy
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Warum gefällt mir der Vergleich irgendwie?

Die Zeit mit Johnny und Skrull-Alice war keine Schlechte und die Geschichte ab dem Zeitpunkt wo der Leser es dann wußte auch wirklich gut geschrieben, auch wenn sich das in der Zusammenfassung nicht unbedingt so anhört.
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Alt 25.03.2020, 06:51   #205  
Crackajack Jackson
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Ja hat mir auch Spaß gemacht.
Besonders, als Alicia zu Ben gelaufen ist, und der gar nicht wusste wie er mit der Situation umgehen sollte.
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Alt 25.03.2020, 08:13   #206  
Peter L. Opmann
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Wie damals auch Michi Diers habe ich auch zwei von Williams ausgelassene Ausgaben besprochen, nämlich das Fantastic-Four-Annual # 3 und Fantastic Four # 44, den ersten Teil des Inhumans-Mehrteilers. Das war schon ein starkes Stück, daß Williams ausgerechnet diese Ausgabe nicht brachte, aber man kann annehmen, daß einfach keine Druckvorlagen aufzutreiben waren.

FF Annual # 3

Klar, diese Ausgabe ist grottenschlecht. Darüber braucht man nicht zu diskutieren. Vielleicht hat Williams seinerzeit absichtlich darauf verzichtet, so etwas in seiner FV-Serie zu bringen. Aber warum ist das Annual so schlecht geworden? Stan Lee hat sich offensichtlich zu sehr auf seine Idee verlassen, so viele Helden und Schurken wie möglich im Heft zu versammeln. Es ergibt sich ein Effekt, der sich später – etwa bei FF # 100 oder auch Spider-Man # 100 – immer wieder beobachten lässt: Die einzelne Figur wird abgewertet. Durch die atemlose Abfolge von Gaststar-Auftritten wird sogar die Hochzeit von Reed und Sue, der Anlaß oder Vorwand dieser All-Star-Story, an den Rand gedrückt.

Es sind ganz hübsche Ideen dabei, die aber alle daran kranken, daß sie nicht weiterverfolgt werden: das Eingreifen von Dr. Strange, der X-Men oder der Rächer, die aber gleich wieder im Chaos untergehen. Am Ende bedarf es einer vom Beobachter zur Verfügung gestellten Maschine, mit der Reed sämtliche Bösewichte verschwinden läßt – auch von Dr. Doom, der alles wohl ausgelöst hat, ist da längst nichts mehr zu sehen oder zu hören. Nett ist auch der Cameo-Auftritt von Lee und Zeichner Jack Kirby (wie in den heutigen Marvel-Filmen), aber der ist letztlich auch mit drei Panels verschenkt.

Ärgerlicher als die zusammengeschustert wirkende Handlung sind noch die Zeichnungen. Es hat den Anschein, als sei die Druckvorlage von sehr bescheidener Qualität gewesen. Aber darüber hinaus habe ich den Verdacht, daß Kirby, obwohl es sich nur um 23 Seiten handelt – also kaum mehr als in einer regulären Ausgabe, hier aus Zeitmangel im Originalformat gezeichnet hat. Schon auf dem Cover wirken die Figuren des Wimmelbildes recht krakelig, und auf den Innenseiten setzt sich das fort. Inker Vince Colletta kann da nichts rausreißen, sondern verschlimmert das Erscheinungsbild vielmehr noch. Das Annual war also gar nichts Besonderes, sondern mußte mehr schlecht als recht und unter großem Zeitdruck nebenbei produziert werden.

Hätte Marvel nicht eine Lösung finden können, andere Leute mit diesem Band zu betrauen? Für solche Fälle gab es doch Don Heck; um diese Zeit waren auch John Buscema, John Romita, Gene Colan schon eingestiegen, und es gab noch Leute wie Bill Everett, Werner Roth, Marie Severin… Müßig, darüber zu spekulieren, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, daß das Annual uns dann mehr Freude gemacht hätte.

FF # 44

Bei diesem Heft kam mir der Gedanke, daß Stan Lee vielleicht an erster Stelle ein Meister der Exposition, der Einleitung einer Geschichte ist. Wobei er eigentlich an den Dreiteiler mit den Furchtbaren Vier anknüpft: Wir sehen, wohin Medusa geflüchtet ist, und auch der Drachenmann taucht nach längerer Zeit wieder auf. Zuerst wird uns aber auf der Splashpage ein bizarrer neuer Supertyp namens Gorgon vorgestellt, und dann beginnt Lee mit einer „Alltagsszene“: Reed konstruiert eine Geschirrspülmaschine. Johnny hält’s zuhause nicht aus und will mit seinem Sportwagen davonbrausen – da versteckt sich Medusa auf der Rückbank. Ab diesem Moment überschlagen sich die Ereignisse.

Gorgon beginnt, stampfend Beben zu erzeugen und stiehlt den Heikopter der FV; Medusa überwältigt die Fackel; der Drachenmann platzt dazwischen, irritiert den eintreffenden Gorgon, der nicht die FV angreifen, sondern Medusa abholen will. Bevor er sie erreicht hat, hat sie schon der Drachenmann mitsamt Johnnys Flitzer gekidnappt. Die FV mischen sich jetzt ein. Das ist sehr spannend erzählt, viele Handlungen sind zunächst rätselhaft (und bleiben es teilweise bis zum Ende des Hefts). Es mangelt nicht an Action, aber nicht motivationsfrei erzeugt, sondern als sinnvoller Bestandteil der Story. Auf den letzten acht Seiten braucht Lee allerdings nur noch die verschiedenen Akteure in immer neuer Kombination aufeinandertreffen zu lassen, um die Handlung voranzutreiben. Die Auseinandersetzung steigert sich sozusagen zum Crescendo, und dann folgt der Cliffhanger, als Gorgon ein ganzes Gebäude, in dem sich die FV befinden, zum Einsturz bringt.

Dies ist das Inking-Debüt von Joe Sinnott. Vielleicht hat er sich an Chic Stone orientiert, der auch einen überwiegend sehr guten Job abgeliefert hat (FV # 26 bis 35). Aber er zeigt keinerlei Startschwierigkeiten, hat alle Figuren sofort im Griff. Nach dem Reinfall mit der Annual-Ausgabe kann auch Meister Kirby hier wieder Panel für Panel überzeugend und dramatisch aufbauen und zeichnet detailreich und originell. Das Cover allerdings zählt nicht zu den allerstärksten; auch das Experiment, den Hintergrund schwarzweiß zu lassen, überzeugt nicht so richtig.
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Alt 25.03.2020, 08:14   #207  
Peter L. Opmann
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Die Fantastischen Vier # 41




Mit dieser Ausgabe ändert sich einiges. Sie hat ein größeres Format (allerdings nun auch wieder etwas schlechteres Papier); dadurch wird allerdings vorerst nur der Rand um die Comicseiten größer. Auf der Rückseite wird die große Williams-Expansion angekündigt: Im kommenden Monat gibt es erstmals die neuen Serien „Der Eiserne“, „Doktor Strange“ und „Planet der Affen“ – es kommen dann noch die DC-Titel „Grüne Laterne“ und „Horror“ dazu. Und bei den FV tut sich auch etwas: Joe Sinnott hat das Inking übernommen, wodurch der Comic relativ schnell sein klassisches Aussehen annimmt. Und es startet eine neuen Storyline, wobei leider, leider die erste Folge bei Williams fehlt: „The Gentleman’s Name is Gorgon“ (US-Fantastic Four # 44, die es vor ewigen Zeiten mal bei HIT-Comics gab und die auch im Hachette-Klassik-Band IV enthalten ist).

Wir springen also notgedrungen mitten in die Story hinein, haben schon einiges verpaßt. Williams löst das Problem aber ganz elegant mit einer Zusammenfassung, die die beiden wichtigen Informationen enthält: Sue, die Unsichtbare, ist vom Drachenmann entführt worden, und eben jener Gorgon ist aufgetaucht und will ebenfalls jemanden gefangen nehmen: Medusa. Gut an der vorigen Ausgabe ist, wenn ich das kurz einflechten darf, dass die Figuren ihre Kräfte oder Eigenheiten richtig ausspielen. Wenn Gorgon erscheint, findet ein Erdbeben statt. Der Drachenmann wirkt ebenso kindlich wie gefährlich und verunsichert Freund und Feind. Medusa überrumpelt Johnny, die Fackel, flieht aber dann doch mit ihm zu den FV, weil Gorgon, der hier – anders als später – ziemlich böse und abgefeimt wirkt, sie holen will. Sue schützt Medusa vorläufig mit ihrem Kraftfeld. Insgesamt ein ziemlich verwirrendes Geschehen, bei dem die Frontlinien kreuz und quer verlaufen.

Im zweiten Teil, den wir uns hier ansehen („Among us hide the Inhumans“), geht es rätselhaft weiter. Wir wissen nicht, was der mysteriöse Gorgon von Medusa will. In der ausgelassenen Ausgabe hat er zumindest erklärt: „Sie gehört zu uns.“ Der Leser hat erstmals den Eindruck, Stan Lee habe sich hier eine größere Geschichte planvoll zurechtgelegt und könne somit die Rätsel spannungsfördernd nach und nach lösen. Diese Rätsel ranken sich in erster Linie um die damals so genannten Nichtmenschen, die Inhumans. Es tauchen noch auf: Karnak, ein Kung Fu-Meister, der beim ersten Erscheinen dieses Hefts, Ende 1965, ziemlich fremdartig gewirkt haben muß, Triton, der offensichtlich noch nicht richtig ausgearbeitet ist, weil er nicht auf sein Lebenselement Wasser angewiesen ist und unter seinem Mantel wohl wie ein Frosch aussieht, dem teleportierenden Schoßhund und Black Bolt, der entsprechend seiner Bedeutung erst ganz zum Schluß auftaucht.

Die Motive des Drachenmanns sind klar: Er erinnert sich an Sue vom letzten Zusammentreffen her und hegt kindliche Zuneigung zu ihr (ein wenig auch zu Medusa). Kurz wird außerdem übergeblendet zu Sandmann und Fänger, die vergebliche Anstrengungen unternehmen, aus dem Gefängnis zu fliehen. Trotz der vielen Handlungsfäden wird ein wenig deutlicher, worauf Lee hinauswill: Er löst Medusa aus den Furchtbaren Vier heraus, ändert ihr Image von „böse“ zu „seltsam“ und baut eine neue Superheldentruppe um sie auf, die allerdings – für mich etwas überraschend – erst 1975 ihr eigenes Heft bekommt.

Das Besondere an dieser Ausgabe ist allerdings für mich, wie der Kontakt zwischen FV und Nichtmenschen hergestellt wird. Die Parallele zu den X-Men wird gezogen, aber im Gegensatz zu ihnen verbergen sich die Nichtmenschen konsequent vor den Menschen in ihrer Großen Zuflucht (von der hier jedoch noch keine Rede ist). Wir haben es also in gewissem Sinn mit einer Parallelwelt-Geschichte zu tun. Die wird hier auf eine mich heute noch bezaubernde Weise eingeführt: Johnny, von seiner Freundin Doris Evans versetzt, begegnet beim trübsinnigen Herumschweifen durch New York der schönen Crystal, die sich später als jüngere Schwester von Medusa herausstellen wird, und verliebt sich auf der Stelle in sie. Daraus wird eine Art Romeo-und-Julia-Geschichte, denn Crystal darf nicht heraus aus der Großen Zuflucht, Johnny eigentlich auch nicht hinein, und so können sie sich anscheinend nie wiedersehen.

Durch diesen Handlungsstrang wird die Rolle der Fackel in der Serie zugleich deutlich aufgewertet. Was Crystal in New York wollte, wird übrigens, wenn man genau liest, überhaupt nicht deutlich. Sie ist offenbar die einzige der Nichtmenschen, die nicht weiß, daß sie immer unter sich, abgeschirmt von der übrigen Welt bleiben. (Womöglich wollte sie sich einen Freund angeln.) Aber das tut der Wirkung der Szene keinen Abbruch. Die FV machen der Splendid Isolation-Strategie der Nichtmenschen im übrigen einen dicken Strich durch die Rechnung.

Was ich auch bemerkenswert finde: Die FV bleiben in gewissem Sinn beim Konzept der DC-Serie „Challengers oft he Unknown“, also: Eine Gruppe wird immer wieder mit unerklärlichen Phänomenen konfrontiert und versucht, sie aufzuklären. Aber es ist nun eine richtige Superheldenserie daraus geworden. Die Superkräfte werden mehr und mehr zum wichtigen Handlungsbestandteil, und die Beziehungen innerhalb des Teams, die sich im Verlauf ihrer Missionen immer wieder bewähren müssen, treten ebenfalls in den Vordergrund.

Wie oben erwähnt: Durch das Inking von Joe Sinnott sehen die FV hier aus, wie man sie kennt. Er hat keine Anlaufschwierigkeiten, es gibt keine schwächeren Panels. Jack Kirby ist schon richtig gut darin, die Figuren möglichst groß ins Bild zu setzen (allerdings bleibt er noch meist bei den drei Panelreihen), und dadurch wird ihre Dynamik unterstrichen. Fazit: Es ist eine Freude, dieses Heft zu lesen – mal sehen, ob im weiteren Verlauf doch noch schwächere Ausgaben kommen.
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Alt 25.03.2020, 15:33   #208  
Peter L. Opmann
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Die Fantastischen Vier # 42




Zuviel versprochen. Nachdem der Auftakt der Nichtmenschen-Saga – wenn auch eine Folge zu spät – wie ein Quantensprung in der Serie gewirkt hatte und ich annahm, daß Stan Lee die Fortsetzungsstory im Gegensatz zu den vorhergehenden Versuchen vorab ordentlich geplant hat, wirkt nun dieser Teil wieder ziemlich unüberlegt. Die Fantastischen Vier haben die Nichtmenschen entdeckt, und Stan Lee fällt nichts anderes ein, als sie sofort aufeinander eindreschen zu lassen – 14 Seiten lang. Wieder mal ein Mißverständnis wie meist, wenn Helden oder Heldenteams bei Marvel aufeinandertreffen. Man fühlt sich gegenseitig voneinander bedroht (Titel: „Sie könnten uns vernichten“) und merkt erst nach einiger Zeit, daß man auf derselben Seite kämpft. Kann sein, daß Lee dachte: Action, das ist das, was die Leser wollen. Aber er hatte das Garn zuvor ja schon recht raffiniert ausgesponnen.

Erst mit dem mysteriösen „Sucher“ wird wieder ein richtiger Handlungsfaden aufgenommen. Der ist nun wirklich eine Bedrohung, denn er will die Nichtmenschen einfangen. Nach und nach wird das im letzten Drittel der Story sogar erklärt, und uns wird eine Originstory geboten. Die Nichtmenschen sind demzufolge Ergebnis genetischer Experimente einer zweiten menschenähnlichen Rasse, die einst auf der Erde lebte. Diese hochentwickelten Humanoiden zogen sich, nachdem sie von den sich rasch vermehrenden Menschen der Art Homo sapiens sapiens immer härter bedrängt wurden, in die Große Zuflucht zurück. Die Nichtmenschen sind offenbar von dort geflohen, wie das Verhalten von Triton nahelegt. Sie wollen frei sein. Die erste, die bei den Menschen auftauchte, war Medusa, die zweite ihre Schwester Crystal. Aber ich denke, diese Storyline ändert Lee in den folgenden Ausgaben noch – dann wollen sie lieber in ihrer Isolation bleiben.

Zunächst nimmt der Sucher den Drachenmann gefangen, der bewußtlos im Hauptquartier der FV liegt. Er hielt ihn zunächst für ein genetisch verändertes Wesen wie die Nichtmenschen, stellte dann aber fest, daß es sich tatsächlich um einen Androiden handelt. Am Ende erwacht der Drachenmann und reißt sich los. In späteren Ausgaben kann er sicher noch wiederverwendet werden. Da ich schon mal ein paar Seiten vorgeblättert habe, weiß ich, daß die Jagd auf den Drachenmann in der kommenden Ausgabe allerdings nicht das wichtigste Thema sein wird. Stattdessen wird es eine größere Korrektur in der Geschichte der Nichtmenschen geben. Die humanoide Rasse, von der der Sammler sprach, wird dagegen in nächster Zeit keine größere Rolle mehr spielen. Auch der Sucher tritt bald wieder in den Hintergrund.

Offenbar legt sich Lee hier mehrere Handlungsoptionen zurecht – und nutzt dann keine so richtig. Für einen Leser, der wirklich die Geschichte verfolgt, ist das ärgerlich. Bietet Lee die Handlungsfäden den Lesern an und macht von deren Meinungsbild abhängig, welchen davon er primär weiterführt? Diese Möglichkeit scheidet sicherlich aus, denn die Produktionsbedingungen erlaubten damals wohl keine so schnelle Reaktion auf Leserwünsche. Also bleibt nur die Erklärung, daß er selbst nicht so genau weiß, wie die Story weiterlaufen soll. Es sind sogar Kehrtwenden möglich.

Ähnliches ist auch bei den Zeichnungen zu beobachten: Triton wirkte anfangs wie eine verwachsene Kreatur, vielleicht ein Monster. Nachdem diese Figur aus ihrem Umhang befreit ist, wird sie zunehmend zu einem normalen, muskulösen Superhelden. Gorgon wird sein gegenwärtig wildes Aussehen später noch verändern. (Man muß den Nichtmenschen dann ansehen, daß sie zu den Guten gehören.) Diese Änderungen kann man Zeichnern eher nachsehen, denn die Ikonografie der Figuren zu verfeinern, ist ein normaler Prozeß. Insgesamt liefern Kirby und Inker Joe Sinnott hier wieder eine mehr als solide Arbeit ab.

Kirby zeichnet hier zum ersten Mal (jedenfalls bei den FV) ein Cover, bei dem die Gesichter der Hauptakteure hineincollagiert sind. In FV # 7 gab es mal die Gesichter der FV auf einem Fahndungsplakat, und bei FV # 10 wurden ihre Gesichter auf einer Manschette verwendet. Hier sind sie nun zum ersten Mal integraler Bestandteil der Coverzeichnung. Außerdem: Auf vier Seiten (abgesehen von der Splashpage) benutzt Kirby größere Panels, allerdings nicht, um Seiten zu schinden, sondern um dort die Dramatik der Handlung und die Action zu unterstreichen. – Gegen Action habe ich nichts, insbesondere wenn sie von Kirby inszeniert ist, aber wenn sie nur dazu dient, mangelnde Ideen der Comicmacher zu kaschieren, ist das doch etwas enttäuschend.
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Alt 25.03.2020, 17:19   #209  
Crackajack Jackson
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Mir hat die Action ganz gut gefallen.
Besonders, der Kampf Ding gegen Black Bolt war wirklich spannend.
Welche Kräfte hat der Führer der Inhumans?
Warum spricht er nicht?

Eine Vielzahl interessanter neuer Figuren, ja ein ganzes Volk mir verschiedenen Superkräften und Fähigkeiten.
Und zum ersten Mal sehen sich Christal und Johnny und sind sofort ineinander verliebt.

Lockjaw ist wirklich toll erdacht. Ein „Schoßhund“ in Übergröße, der teleportieren kann.
Crackajack Jackson ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.03.2020, 17:35   #210  
Peter L. Opmann
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Die # 43 bespreche ich wieder sehr viel positiver - aber erst morgen.
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Alt 26.03.2020, 06:49   #211  
Peter L. Opmann
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Die Fantastischen Vier # 43




Diese Ausgabe ist sicherlich das zerfleddertste Heft in meiner Williams-Marvel-Sammlung. Ich habe sie damals neu am Kiosk gekauft nach einer längeren Pause – ich vermute, sie entstand dadurch, daß ich von der Grundschule in meinem Dorf aufs Gymnasium in der Kreisstadt wechselte. Damit hatte ich keine Zeit mehr, den Einkaufsladen im Dorf zu besuchen. Wo es Comics in der Stadt gab, wußte ich möglicherweise nicht so genau – und die Schule ging wohl erstmal vor.

Daß das Heft so zerfetzt ist, ist ein Zeichen dafür, daß es mich sehr fasziniert hat. Von der Vorgeschichte habe ich anfangs nicht viel mitbekommen, aber die Story ist für einen Teenager atemberaubend: Triton, der seines Wasserbassins verlustig gegangen ist, liegt im Sterben, und Sue fleht ihre Teamkollegen an, man könne das doch nicht zulassen. Also umgibt sie auf Anweisung von Reed Triton mit ihrem Kraftfeld, und durch eine kleine Öffnung wird Wasser hineingeleitet. Der Sucher pocht darauf, daß Triton sein Gefangener bleibt. Und jetzt hat Stan Lee wohl mal wieder eine brauchbare Idee: Er bringt „Maximus den Prächtigen“ ins Gespräch, auf dessen Befehl der Sucher offenbar handelt.

Genaueres erfährt der Leser zunächst nicht; geschickt wechselt Lee den Schauplatz. Der Kampf von Ding mit dem Drachenmann wird auch gleich um einiges dramatischer, denn der wütet genau vor dem Atelierfenster von Dings Freundin Alicia und bricht schließlich sogar brachial ins Haus ein. Die Fackel kommt Ding zu Hilfe. Nun wird wieder zu Reed, Sue und dem Sucher hinübergeblendet. Wie angekündigt, verläßt der Sucher den Schauplatz, nachdem er Triton in seine Gewalt bekommen hat. Reed protestiert, aber unternimmt nichts dagegen, nimmt jedoch sogleich die Verfolgung des Raumschiffs des Suchers auf.

Nun sind wir wieder in der großen Zuflucht, wohin die Nichtmenschen – mit Medusa und Crystal, aber natürlich ohne Triton – soeben zurückkehren. Im gleichen Augenblick müssen sie sich Horden von Alpha-Primitiven (die sind durch ihren Namen und ihr Aussehen selbsterklärend) erwehren, bis schließlich Maximus auftaucht und sie zurückpfeift. Er tritt in der Pose des Herrschers auf, aber ich bemerkte gleich, daß es sich hier wie bei König Richard Löwenherz und seinem bösen Bruder, Prinz John, verhält (kannte ich schon lange aus „Robin Hood“). Vielleicht hat sich Lee hier auch ein Königsdrama von Shakespeare zum Vorbild genommen.

Black Bolt redet bekanntlich nicht, aber er reagiert mit einer eindrucksvollen Geste: Er nimmt seinem Bruder die Krone ab und setzt sie sich selbst auf. Maximus ist verblüfft, sieht sich aber – dank einer mysteriösen „Atmo-Kanone“ – noch immer als Herr der Lage. Erneut Szenenwechsel (das macht Lee hier sehr geschickt): Die FV nähern sich der Großen Zuflucht. Eine nette humorige Szene wird eingebaut: Sue verschwindet unerwartet; die anderen sind höchst besorgt, aber sie will, indem sie sich unangekündigt unsichtbar macht, nur auf ihre neue Frisur aufmerksam machen, die noch niemand bewundert hat (eine Lauren-Bacall-Frisur, die aber kurz darauf auch wieder geändert wird).

Die FV dringen in die Große Zuflucht ein. Da ringt Maximus noch immer mit den übrigen Nichtmenschen um die Macht. Als Druckmittel setzt er den gefangenen Triton ein. Die übrigen Mutanten müssen sich nun aber erstmal mit den FV beschäftigen. Johnny freut sich, Crystal wiederzusehen; die anderen sind im Begriff, wieder aufeinander loszuprügeln. Es geht diesmal aber um einen echten Streitpunkt, den man dann lieber im Gespräch auszuräumen versucht: Reed will, daß sie ihr Versteck verlassen und sich den Menschen zu erkennen geben; das wollen die Nichtmenschen auf keinen Fall.

Letzter Szenenwechsel: Maximus ist mit dem Sucher und Triton allein zurückgeblieben. Er läßt nun die Atmo-Kanone scharf stellen und drückt auf den verhängnisvollen Roten Knopf – die ganze Erde ist in tödlicher Gefahr. – Trotzdem habe ich mir den nächsten Band damals, sehr wahrscheinlich wegen Geldmangel, nicht besorgt. Meine nächste FV-Ausgabe war erst die # 56.

Sehr gutes Artwork von Jack Kirby und Joe Sinnott (der hier wieder nicht erwähnt wird). Kirby hat viele seiner Manierismen (wie zum Beispiel Leute, die mit ausgestrecktem Zeigefinger deuten oder die mit extrem gespreizten Beinen dastehen) schon entwickelt, zeichnet aber doch noch relativ realistisch. Große Panels setzt er noch sparsam, aber dafür sehr wirkungsvoll ein – werden die Panels größer, dann ist wirklich darin etwas los! Mir hat damals das halbseitige Bild am besten gefallen, auf dem FV und Nichtmenschen aufeinander treffen: Black Bolt hindert die Fackel daran, sich Crystal zu nähern; Medusa hält sie mit ihren Haaren gefangen. Ding und Karnak stehen sich im Vordergrund drohend gegenüber. Gorgon erhebt im Hintergrund seinen Fuß, um ihn aufzustampfen. Reed und Sue zögern noch einzugreifen. Diese Szene ist wirklich eine halbe Seite wert.

Noch eine Bemerkung: Mich hat seinerzeit sicher auch das dramatische Cover zum Kauf bewogen. Eine Felsenbrücke zerbröselt. Ding kann Reed und Sue kaum noch festhalten. Die Fackel düst bereits los in die Tiefe, wo sich die Große Zuflucht, eine wahrhaft futuristische Stadt, ausbreitet – den Kreationen eines Moebius steht sie um nicht viel nach. Als Titel wählt die Redaktion ein altes Volkslied: „Drunten im Unterland“ (Original: „Beware the Hidden Land!“). Ich kannte das Lied nicht, aber das hörte sich auf jeden Fall ziemlich schräg an.

Zitat:
Als "Unterland" bezeichnete man seinerzeit den von der Alten Weinsteige in Stuttgart Neckar abwärts gelegenen Teil Württembergs ("unter der Steig"). Hier, so heißt es, herrschten angenehme klimatische Verhältnisse und es wüchsen Trauben, im "Oberland" ("ob der Steig", am oberen Neckar, auf der schwäbischen Alb und in Oberschwaben) sei es dagegen kalt. Auch die Bewohner der beiden Regionen würden sich grundsätzlich unterscheiden: "Oben sind d'Leut so reich, d'Herzen sind gar net weich", im "Unterland" seien die Menschen zwar arm, dafür aber "froh und frei" und "in der Liebe treu". Entsprechend könne man sich nur hier wohl fühlen.
www.liederlexikon.de/lieder/drunten_im_unterland
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Alt 26.03.2020, 09:20   #212  
jakubkurtzberg
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Haha, auf einem dieser schwäbischen Weinberge haben wir (vor 15-20 Jahren) mal eine Hüttenparty (passt nur Werkzeug rein) gefeiert. Mit Grill, Wein und Gesang... Das schwerste war der Abstieg im angeheiterten Zustand.
jakubkurtzberg ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.03.2020, 13:25   #213  
Peter L. Opmann
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Die Fantastischen Vier # 44




Marvel schließt hier abrupt den Vorhang der Nichtmenschen-Saga – genau in dem Moment, als sich der Kampf um den Thron zwischen Black Bolt und Maximus richtig entfaltet hat – und öffnet ihn für ein neues, vielleicht das ultimative Drama um Galak(c)tus, der die Erde verspeisen möchte. Schlechter Stil irgendwie. Jetzt hätte Stan Lee doch richtig loslegen können. Aber er wendet hier ein Stilmittel an, das er später, weiter perfektioniert, zur Fortsetzung von Endlosserien immer wieder einsetzt: Während die eine Geschichte noch läuft, bahnt sich, durch gelegentliches Hin- und Herblenden gezeigt, schon die nächste an. Und so weiter, und so weiter.

Durch die Aktivierung der Atmo-Kanone (zumindest im zweiten Versuch) erzeugt Maximus eine Negativ-Zone, die die Große Zuflucht für immer völlig von der Außenwelt abschirmt. Keiner kann mehr hinein, keiner raus. Den ersten, fehlgeschlagenen Versuch nutzt Lee für eine kleine humanistische Lektion: Durch die Kanone wurden Menschen ebensowenig verletzt wie Nichtmenschen – es gibt also keine Rassenunterschiede. Aber dann fällt wirklich der Vorhang: Über den Nichtmenschen schließt sich eine undurchdringliche Kuppel, und damit ist dieses Kapitel erstmal abgeschlossen. Schon etwas enttäuschend.

Die FV kehren mit ihrem Flugzeug nach New York zurück und sehen seltsame Phänomene: zwei Sonnen, von denen eine stetig näher kommt; dann eine Feuerwand, die den ganzen Himmel bedeckt. Die Menschen laufen Amok – sie wollen die FV lynchen, die sie als Urheber dieser Katastrophen-Zeichen ansehen. Aber das Quartett kann sich in Sicherheit bringen. Reed verzieht sich in seine Forschungskammer.

Als Sue als Ehefrau von ihm etwas mehr Aufmerksamkeit einfordert (wieder mal), entdeckt sie, daß auch der Beobachter in dem Labor steht. Erneut beschränkt er sich nicht aufs Beobachten, sondern arbeitet mit Reed an Wegen, die Erde vor Galactus zu verbergen. Zwischendurch sehen wir den Silver Surfer (hier Silberstürmer genannt) im All umherflitzen auf der Suche nach einem genießbaren Planeten. In gewissem Sinn ist er eine neue Variante des Suchers. Die FV kämpfen gegen den Silberstürmer, der just auf dem Dach des Baxter Building gelandet ist. Der beachtet sie aber kaum. Und es ist auch schon zu spät: Galactus erscheint auf der Erde, und er hat Riesenappetit.

Man darf hier nicht so sehr auf physikalische Fakten sehen. Galactus und Silver Surfer kommen von der Andromeda-Galaxie her, die 2,5 Millionen Lichtjahre von unserer Galaxie entfernt ist; offenkundig brauchen sie für diese Entfernung aber nur ein paar Stunden. Die Andromeda-Galaxie ist mindestens ebenso reich an Sternen wie die Milchstraße – warum hat Galactus nicht erstmal dort einen Imbiß eingenommen? Daß es so etwas wie die Erde nur einmal im Universum gibt, kann Lee nicht angenommen haben, denn offensichtlich braucht Galactus immer wieder mal so einen Planeten-Happen. Über die Atmo-Kanone und die Negativ-Zone vom Anfang der Geschichte wollen wir gar nicht erst reden. Lee stellt die Maschine hin, und die macht ohne Erklärungen einfach die tollsten Sachen.

Es lohnt sich dagegen, die Williams-Ausgabe mit der von Panini zu vergleichen, um die vorzügliche Übersetzung von Hartmut Huff richtig würdigen zu können. Schauen wir uns die kleine Szene an, in der es Ding mit einem Straßenschläger zu tun bekommt. Williams: „Es wird Zeit, daß mal jemand beweist, was für’n Betrüger du bist – und das tue ich!“ Panini: „Wird Zeit, daß dir mal einer zeigt, wo der Burton den Most trinkt… oder so ähnlich!“ Williams: „Schlaf dich aus, Mann! Du kannst einige Stunden ruhen! Und wenn du so viel Spaß daran hast, erzähl jedem, der’s hören will, was für ein Betrüger ich bin!“ Panini: „Bist ein echt harter Kerl, Süßer! Wenn du in ein paar Stunden aufwachst, kannst du ja erzählen, daß du beim Mostholen ein Rotbäckchen gekriegt hast!“ Die kleine sexuelle Anspielung („Süßer“) war zu Williams-Zeiten noch nicht drin, aber sie ist ebenso unnötig wie das alkoholische Wortspiel („Burton“, „Most“). Wenn Huff sich einen Extra-Scherz erlaubt, überdreht er nicht gleich.

Das plötzliche Ende der Nichtmenschen-Geschichte wird der Leser wohl verschmerzen. Sie wird ja in einer späteren Ausgabe fortgesetzt. Johnny leidet so sehr an der Trennung von Crystal, daß man das annehmen muß. Die Galactus-Saga wird, wie wir das nun von Stan Lee schon kennen, mit einem angemessen dramatischen Vorspiel eingeleitet. Und die wird diesmal, so viel kann vorweg verraten werden, nicht plötzlich abgebrochen.

Zur grafischen Seite: Williams hatte diesmal keine guten Druckvorlagen. So mancher Tuschestrich ist hier verwischt oder ganz verschwunden. Da ist die Panini-Ausgabe deutlich im Vorteil. Hier sieht man, wie sorgfältig Jack Kirby und Joe Sinnott gearbeitet haben. Nur selten ist mal etwas weniger gelungen. Sowohl der Beobachter als auch Galactus erhalten angemessen dramatische Auftritte – man wundert sich bloß, daß Kirby dafür nicht ganzseitige Panels verwendet. Aber er hat zu dieser Zeit noch mit relativ vielen Panels erzählt. Eine ganzseitige Darstellung – abgesehen vom Splash-Panel – gibt es doch: eine Fotocollage, die Galactus‘ Raumschiff im Anflug auf die Erde zeigt.
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Alt 26.03.2020, 16:41   #214  
Crackajack Jackson
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Ja, die Williams Übersetzung ist hier klar besser.
Und schon sind wir angelangt, bei der Kerngeschichte der Fantastischen Vier.

Es gibt wohl keinen bessere Story als diese.
Die Ankunft des silbernen Surfers, der später noch auf Alicia trifft und ihr Essen in reine Energie umwandelt.
Und dann der übermächtige Galaktus mit seinem Raumschiff für den die FV nur Ungeziefer sind.

Hier wird wirklich alles bisher dagewesene noch mal überboten. Die auftretenden Charaktere sind schon alle fast fertig ausformuliert.

So sollen Comics.
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Alt 26.03.2020, 17:10   #215  
Peter L. Opmann
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Vielleicht hat Stan Lee auch erkannt, daß das Galaktus-Ding die Knüller-Story ist und hat deshalb die Nichtmenschen-Saga so rüde abgewürgt. Aber schade ist das trotzdem...
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Alt 26.03.2020, 17:47   #216  
Crackajack Jackson
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Sie kommen ja wieder. Es gab von denen auch mal eine eigene Miniserie (1998-1999)
Da schnitt Maximus Medusa die Haare ab.
Das Bild verfolgt mich noch heute.
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Alt 27.03.2020, 09:12   #217  
Peter L. Opmann
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Die Fantastischen Vier # 45




Man muß sich bewußt machen, daß dies im Original die # 49 ist. Damals war # 50 eine große Jubiläumsausgabe (das erste richtige Jubiläum), und wir stehen jetzt also unmittelbar davor. Stan Lee kriegt das aber nicht richtig hin – die entscheidende Konfrontation mit Galactus passiert jetzt, und die # 50 ist ein Gemischtwarenladen mit dem Abzug von Galactus, dem Beginn des Erdendaseins des Silberstürmers, dem ersten Auftritt des verkannten Wissenschaftlers, der in # 51 (Williams # 47) im Mittelpunkt stehen wird, und Johnny Storms Debüt am Metro College, an dem er sich eingeschrieben hat. Was Lee gut beherrscht, ist die Verschränkung unterschiedlicher Handlungsfäden, so daß ein quasi endloser Erzählfluß entsteht. Aber den Spannungs-Höhepunkt hat er vielleicht an die falsche Stelle gelegt – vermutlich weil er sich beim Schreiben von # 49 noch nicht ausreichend darüber im Klaren war, was in # 50 passieren wird.

Galactus stellt den Beobachter zur Rede, weil der sich eingemischt hat. Die Menschen – auch das Superheldenquartett – nimmt er dabei bestenfalls wie lästige Insekten wahr. Die Angriffe der FV prallen hilflos an ihm ab. Galactus und Beobachter entfernen sich, um sich weiter zu unterreden; die FV merken, daß sie nichts tun können. Szenenwechsel: Der Silberstürmer war in der vorherigen Ausgabe von Ding vom Dach gefegt worden; er landet jetzt ausgerechnet bei der blinden Alicia. Zwei einander völlig fremde Wesen versuchen, sich gegenseitig zu verstehen. Inzwischen hat Galactus begonnen, einen „Elementarkonverter“ zusammenzuschrauben, den er braucht, um die Erde verspeisen zu können. Der Beobachter empfiehlt den FV derweil einen Abwehrapparat. Zurück zu Alicia und dem Silberstürmer: Sie macht ihm klar, daß jeder Mensch ein Lebensrecht hat – er empfindet erstmals Mitleid.

Reed und Ding haben inzwischen einen Kurzschluß im Elementarkonverter hervorgerufen. Dank des Überraschungsmoments kann Ding zudem Galactus ebenso vom Dach knocken wie zuvor den Silberstürmer. Damit machen sie ihn aber nur ärgerlich – er ruft den „Bestrafer“. Nun schickt der Beobachter die Fackel auf einen Flug durch den Weltraum (das ist Fantasy, keinesfalls Science Fiction) – zum Heimatschiff von Galactus. Vor dem Bestrafer können sich Reed und Ding gerade noch unter Sues Kraftfeld in Sicherheit bringen. Galactus können sie so von seinem weiteren Vorgehen allerdings nicht mehr abbringen. Nochmal zurück zum Silberstürmer: Er zweifelt erstmals an seiner Loyalität zu Galactus, hält es nicht mehr für in Ordnung, daß die ganze Menschheit seinem Energiehunger geopfert wird. Er wendet sich gegen seinen Herrn. Der Beobachter sieht – ganz zum Schluß – darin allerdings eine Gefahr für den Plan, den er selbst sich zurechtgelegt hat.

Schön, den Cliffhanger hat Lee damit ganz schön hochgereizt. Von daher ist am Spannungsaufbau nichts weiter auszusetzen. Ich weiß allerdings bereits, daß in FV # 46 (= US-FF # 50) nur noch zehn Seiten benötigt werden, bis Galactus entnervt und unverrichteter Dinge wieder abziehen wird. Mehr dazu nächstes Mal. Ich hatte, speziell jetzt beim Wiederlesen von „Ist dies der Jüngste Tag?“ den Eindruck, daß die Story insgesamt mitunter hart an unfreiwilliger Komik vorbeischrammt. Einerseits ist es schwer vorstellbar, daß einer wie Galactus wirklich die Energie des gesamten Planeten absorbieren kann. Er ist zwar ein Riese, aber im Vergleich zur Erde ebenso ein Winzling wie jeder Mensch. Andererseits wirkt er, trotz aller Versuche, ihn unbegreiflich erscheinen zu lassen, letztlich doch allzu menschlich. Seine Souveränität läßt er schnell fallen. Er ist relativ leicht aus dem Konzept zu bringen und reagiert darauf ziemlich engstirnig und unbeherrscht. Man muß freilich bedenken, daß eine Figur wie er damals noch absolut neu war (ob es bei DC Ähnliches gab, weiß ich allerdings nicht mit Bestimmtheit). Er wird also überzeugender gewirkt haben als heute.

Wenn ich Galactus als wenig überzeugend kritisiere, trifft das auch die Grafik von Jack Kirby und Joe Sinnott. Man kann aber sagen, daß sie ihr Bestes tun. Bizarre Wesen aus dem All mit höchst komplizierten Maschinen im Koffer sind Kirbys Spezialität, und hier haben wir eines der Musterbeispiele dafür, wie er das visualisiert. Es ist allerdings gut, daß die Techno-Gigantomanie immer wieder durch Szenen mit den FV oder mit Alicia unterbrochen wird, denn sonst käme es wohl zum grafischen Overkill – so etwas ist in späteren Serien wie etwa „New Gods“ oder „Captain Victory“ zu besichtigen, wo sich solche Ansichten dann rasch abnutzen. Das Cover ist zweifellos ein Klassiker, aber ich finde doch das eine oder andere zu bemäkeln. Nur hier schießen Galactus Strahlen aus den Fingern. Nur hier fliehen die FV vor Galactus. Und den Silberstürmer finde ich auch etwas unmotiviert ins Bild montiert. Trotzdem ziert diese Bild zweifellos zu Recht das Cover des Hachette-Classic-Fantastic-Four-Bandes.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.03.2020, 18:51   #218  
Crackajack Jackson
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[B]

Man muß freilich bedenken, daß eine Figur wie er damals noch absolut neu war (ob es bei DC Ähnliches gab, weiß ich allerdings nicht mit Bestimmtheit). Er wird also überzeugender gewirkt haben als heute.
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Bei DC gab es die Sonnenfresser. Sie kamen in den „Legion der Superhelden“ Geschichten 1963 vor und waren jedoch unpersönlicher wie Galaktus.
Es war eher eine gesteuertes Naturereignis (ähnlich wie Galaktus in dem Fantastic Four Film).
In den 90 Jahren wurde bei DC noch mal darauf Bezug genommen und sie lösten das Event „Final Night“ aus.

So richtig Vergleichbares mit Galaktus gibt es bei DC jedoch nichts.
Ein Parasit, der sich von Welten ernährt ist schon eine eigene Grössenklasse über den sonstigen Superschurken.

Noch interessanter ist allerdings der silberne Surfer, der sich im Verlauf der Geschichte auf die Seite der Menschheit stellt.
Wirklich genial erdacht. Eine Figur mit einer silbernen Haut und kosmischer Macht, die auf einem Surfbrett durch den Weltraum fliegt.
Grenzenlose Freiheit, aber auch grenzenlose Einsamkeit.
Nicht umsonst hatte Richard Gere in dem Film „Außer Atem“ die ganze Zeit ein Silver Surver Comic in der Tasche.
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Alt 27.03.2020, 18:59   #219  
Peter L. Opmann
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Von den Sonnenfressern habe ich noch nie gehört.
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Alt 27.03.2020, 19:05   #220  
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Die Fantastischen Vier # 46




Ein bißchen was zu dieser Ausgabe habe ich ja letztes Mal schon gesagt. Jetzt habe ich sie mir eingehend angesehen. Dabei muß ich eine Bemerkung korrigieren, die ich zum Cover von FV # 45 gemacht habe: Hier nun sieht man tatsächlich, wie Galactus mit seinen Fingern Strahlen verschießt. Bei FV # 45 war das allerdings nur auf dem Cover zu sehen.

Der Silberstürmer setzt sich für die Erde ein. Er kündigt Galactus die Gefolgschaft auf und greift ihn an. Inzwischen hat die Fackel ein Gerät aus Galactus‘ Raumschiff geholt, den legendären „ultimate nullifier“. Der „ultimative Vernichter“ – so benennt ihn dann Galactus hier –, kann ganze Sonnensysteme ausradieren, wie der Beobachter düster raunt. Und dieses Ding ist nun in den Händen von Reed Richards. So bedroht, ist Galactus bereit, das Feld zu räumen. Halten wir fest: Bereits in FV # 39 hat Reed das Blatt gewendet, indem er sich Waffen aus einem Schuppen der Furchtbaren Vier besorgte.

Der Beobachter betont gegenüber Galactus noch einmal, daß die Menschheit, noch kindlich und „wichtigtuend“, aber aufstrebend, es wert ist, erhalten zu bleiben. Das hört man doch gern. Leidtragender dieses Deals ist der Silberstürmer, den Galactus für seine Illoyalität bestraft, indem er ihm seine raum-zeit-überwindenden Kräfte nimmt. Dann entschwindet er durch „Dimensionsverschiebung“ und läßt seinen einstigen Herold auf der Erde zurück.

Es folgt ein Tiefschlag für Ding: Seine Freundin Alicia eilt herbei und gibt zu erkennen, daß sie sich um den Silberstürmer Sorgen gemacht hat. Ding versinkt in Selbstmitleid und verzieht sich. Nun beginnt Lee wieder, hin- und herzublenden. Der nächste Gegner der FV tritt kurz auf, wieder mal einer, der überzeugt ist, daß nur er das Quartett schlagen kann. Dann sind wir kurz Zeuge einer Szene im Metro College, wo sich Johnny Storm alias die Fackel in Kürze einschreiben wird. Der Football-Trainer hat Probleme mit seinem besten Spieler. Es folgt ein weiteres kleineres Ehedrama zwischen Reed und Sue, und Ding streunt in depressiver Stimmung durch die Straßen New Yorks. Als Johnny im College eintrifft, macht er sogleich die Bekanntschaft eines Kommilitonen, der etwas später in der Serie noch eine größere Rolle spielen wird: Wyatt Wingfoot, ein Mittelding zwischen Normalo und Superheld und indianischer Abstammung. Bevor die beiden neuen Freunde aus dem Bild verschwinden, fügt Lee noch eine kleine Szene ein: Johnny überlegt, wie er in die Große Zuflucht der Nichtmenschen eindringen kann, um Crystal wiederzusehen. Da legt er sich also eine Menge Stoff für künftige Ausgaben zurecht. Ein unspektakuläres Heftende, aber wir werden vorsorglich darauf hingewiesen, „daß ungeahnte Gefahren in der Zukunft dräuen“. Na dann…

Fazit: Der Showdown mit Galactus ist ziemlich atemberaubend. Aber er nimmt eben nur die Hälfte des Hefts ein. Dadurch finde ich die Ausgabe insgesamt zwiespältig. Sobald die Hauptgeschichte abgeschlossen ist, werden sehr unterschiedliche Szenen angestückelt, die nicht zusammenpassen und auch nicht zusammengehören. Lee scheint die Story von FV # 47 schon im Kopf gehabt zu haben, und er plante offensichtlich eine größere Episode mit Johnny am College. Es wirkt aber nicht geschickt, daß die FV nach ihrem intergalaktischen Abenteuer sofort wieder mit neuen, etwas alltäglicheren Konflikten konfrontiert sind. Besser wäre es gewesen, wenn Galactus erst am Ende des Heftes den Rückzug angetreten hätte.

Die Zeichnungen von Jack Kirby und Joe Sinnott sind wieder mal eine Freude. Insbesondere der Silberstürmer, der bereits groß auf dem Titelbild prangt, ist bestechend dargestellt. Er hat zwar nicht die filigrane Körpergestalt wie später bei John Buscema, aber er scheint tatsächlich silbrig zu gleißen und wirkt sehr fremdartig – außerirdisch. Noch ein Blick auf das Cover: Das Insert zu Johnnys Ankunft im College hat die Williams-Redaktion entfernt, weshalb die Fackel auf dem Cover überhaupt nicht vertreten ist. Die Köpfe der übrigen drei Teammitglieder links vom Silberstürmer – eigentlich auch er selbst – wirken nachgezeichnet. Das könnte durchaus sein, weil die Redaktion auf jeden Fall neue Schriftzüge („Die erschreckende Saga um… den Silberstürmer!“) gestaltet hat. Das Cover wirkt dadurch zurückgenommener, sachlicher. Ob die Änderungen stilistische Gründe hatten oder das Originalcover nicht zur Verfügung stand, weiß ich freilich nicht.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.03.2020, 20:06   #221  
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Das Gespräch zwischen Galaktus und dem Surfer ist sehr episch. Keiner will den anderen verletzen und doch muss Galaktus tun, was getan werden muss.

Man lernt, das Galaktus Wort Gesetz ist und dann ist er auch schon verschwunden.
Alle Ereignisse, die später kommen, haben es schwer hier nicht bedeutungslos und langweilig zu erscheinen, deshalb lässt Stan Lee es auch erst mal langsam angehen und nimmt das Tempo bewusst zurück.
Crackajack Jackson ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.03.2020, 20:28   #222  
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Also mich hat vor allem gestört, daß die Galactus-Geschichte schon vorzeitig endet. Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn es kurze Einblendungen von Johnnys College oder dem neuen Gegner der FV gegeben hätte. Aber es ist irgendwie unbefriedigend, wenn der Hauptstrang der Geschichte mitten im Heft endet. Das hat Stan Lee später noch besser hingekriegt.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.03.2020, 20:49   #223  
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Da hast Du recht.
Vielleicht war es aber ein Versuch von Lee wieder mal ein paar lose Enden zu verstreuen um die Leser bei der Stange zu halten.Die Geschichte muss immer weitergehen.
Crackajack Jackson ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.03.2020, 21:18   #224  
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Zweifellos.

Es bleibt ein Höhepunkt der Serie (behaupte ich mal, ohne ihren Hauptteil zu kennen).
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Alt 28.03.2020, 04:29   #225  
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Ist schwierig, diese Geschichte an Epic zu toppen.
Trotzdem gefallen mir die Einzelgeschichten aus der Serie "The Thing classic" fast noch besser, weil sie persönlicher sind.
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