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Alt 22.08.2017, 15:43   #126  
Servalan
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Standard Warum soll das Wissen in die Geschichte? (Teil 2)

Weil ich befürchte, daß ich einen längeren Anlauf benötige, werde ich mich in diesem Post auf ein eher abstraktes Konzept und einige persönliche Anmerkungen beschränken. Die harte Analyse mit den entsprechenden Zitaten folgt dann im nächsten Post. Damit sich niemand über Spoiler beschwert, wird der Fließtext weitgehend aus kryptischen Sätzen bestehen, während die Auflösung hinter den Spoilerkacheln liegt.

Eigentlich gehe ich Bestsellern aus dem Weg, weil ich mir gern mein eigenes Urteil bilden möchte. Zur Millenium-Trilogie bin ich deswegen über die Verfilmung gekommen. Damals habe ich mir regelmäßig den Kinotag gegönnt und bin fast blind an die Kasse gelatscht, weil ich auf dem laufenden bleiben wollte. Dort habe ich mir dann einen Film spontan ausgesucht.
Der zweite Teil der Millenium-Trilogie war für mich eine Verlegenheitslösung. Trotz des Erfolgs beim gewöhnlichen Publikums galt der Reißer aus Schweden eher als billige Popcorn-Unterhaltung. Ich bin also mit geringen Erwartungen hineingegangen, und als der Film anfing, war der Großteil der Sitzplätze leer geblieben.

Weil ich danach mehr wissen wollte, habe ich mir die Bücher besorgt und jedes binnen zweier Tage ausgelesen. Ich war erstaunt und verblüfft. danach habe ich mich in die Trilogie hineingekniet, mir die schwedische Originalfassung und die englische Übersetzung besorgt - und irgendwann die beiden DVD-Boxen.
Was aus meiner Sicht für die Qualität der Bücher sprach, war die Hilflosigkeit sowohl der Fans als auch der Kritik. Die entschieden in der Regel nach ihrem Gefühl, konnten ihre Thesen aber nicht mit Zitaten belegen.

Mittlerweile kenne ich auch meine gefühlsmäßige Basis, die besondere Knöpfe bei mir getriggert hat. Im Babyalter hat jemand in meinem Hirn geschnippelt, was ich unbewußt irgendwo abgespeichert haben mußte.
Ihren ersten großen Auslandsurlaub wollten meine Eltern Mitte der 1970er Jahre in Nordschweden verbringen. Gepäck und Nahrungsmittel wurden in einem Anhänger verstaut und dann ging es los mit Tempo 80. Auf Seeland hatten wir das erste Mal übernachtet, dann ging es mit der Fähre nach Malmö. Mein Vater merkte gegen Mittag, daß er sich mit der Distanz völlig verschätzt hatte, und Schweden um einiges größer war, als er dachte. Bei je drei bis vier Tagen für Hin- und Rückfahrt wären bei 14 Tagen am Ziel gerade mal sechs bis acht Tage übrig geblieben.
Kurz bevor wir wendeten, hatten wir Kinder dringende Bedürfnisse. In unserer Not landeten wir auf einem komischen südschwedischen Bauernhof, dessen Besitzer uns fast mit der Flinte verscheucht hätte. Das Zalachenko-Anwesen weckte Erinnerungen an das verwilderte Gehöft.

Je länger ich mich mit der Millenium-Trilogie beschäftigt habe, umso besser paßten die einzelnen Teile des Werkes zueinander. Was auf der Oberfläche zunächst plakativ und überzogen schien, machte auf einer anderen Ebene Sinn. Oft wurde ihm vorgeworfen, er habe die Thriller wie seine journalistischen Texte für das Expo Magazin auf Papier gerotzt.
Nun ja, bei mir stehen The Expo Files im Regal, bei denen ich gespürt habe, daß das Beiträge fürs profane Tagesgeschäft waren. Es gibt etliche Wiederholungen und Längen, manches ist umständlich ausgedrückt, und in erster Linie geht es darum, richtig verstanden zu werden. Sprachästhetik hat da keinen Platz.
Die Trilogie wirkt auf mich fast schon overwritten. Und ich hätte schwören können, wenn es Stieg Larsson gelungen wäre, dieses Konzept zehn Bände lang durchzuhalten, dann hätte es auch die Literaturkritik gemerkt.
Die einzelnen Elemente und Ebenen fügen sich zu einer Einheit zusammen, die nur durch wiederholtes Überarbeiten und Redigieren zustandegekommen sein kann. Ich bin mir sicher, ohne Eva Gabrielsson und ihre Schwester Britta hätte er vieles übersehen.

Um noch mal Jeopardy-mäßig mit dem Zaunpfahl zu winken, flechte ich zwei Hinweise ein.
Als mich eine Freundin gefragt hat, warum ich Millenium überragend finde, habe ich ihr geantwortet wegen Lisbeth Salanders Rückkehr aus dem Grab im zweiten Teil. Zum Dank habe ich einen verständnislosen Blick geerntet.
Worauf ich hinaus will, darauf habe ich schon in meiner Rezension für textem, Der Name der Rosenmyrte (6. Oktober 2011) dezent hingewiesen.

Im Prinzip funktioniert das wie bei Edgar Allen Poes "Der entwendete Brief | The purloined letter": Wenn du etwas verbergen willst, dann reibe es den Leuten direkt unter die Nase.

Geändert von Servalan (24.11.2017 um 22:18 Uhr)
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Alt 26.12.2017, 01:47   #127  
Servalan
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Standard Das Buch-Buch

Im Juni erschien in Österreich ein kleiner Sammelband über das Verlegen, der sich den neuesten Entwicklungen widmet:

Alexandra Rotter, Alexander Groh und Daniel Resch (Hrsg.): Das Buch-Buch: Über das Verlegen (Edition Grünanger 2017), 124 Seiten, 14,90 € Ladenpreis (in Österreich*)

Sprachdientsleister Alexander Groh leitete 2013-2014 den zwei Semester laufenden Lehrgang „Werkstätte Buchverlag“, aus dem sich diese Anthologie entwickelte. Teilweise vertreten die Autoren und Autorinnen der Beiträge widersprüchlihe Ansichten, zum Beispiel in Sachen Amazon.

Der Band gliedert sich in drei Teile:
1. Erfahrungen rund um das Verlagswesen
2. Verlage und neue Medien
3. AutorInnen und ihre Sicht auf Verlage

Am 30. Mai 2017 wurde der Band im Literaturmuseum Wien vorgestellt.
Aufzeichnung online bei Idealism Prevails (79 min).

Interview mit der Herausgeberin Alexandra Rotter und Elmar Weixlbaumer in der Reihe Kamingespräche (30. Juni 2017, 44 min) auf dem youtube-Kanal Idealism Prevails.

* Eigentlich sollten wir in der EU einen gemeinsamen Markt haben. Ich habe es jedoch erleben müssen, daß Buchhändler in Deutschland Bücher aus österreichischen Kleinverlagen teilweise mit einem ordentlichen Zollaufschlag belegen. Deswegen kann es außerhalb Österreichs teurer sein.

Geändert von Servalan (05.01.2018 um 17:59 Uhr)
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Alt 05.01.2018, 17:45   #128  
Hondo
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Hallo zusammen, na das ist ja hier eine interessante Unterhaltung über Bücher, Autoren, Veröffentlichungen, Lesungen, Bucherfolge (oder auch nicht) ...
Werde wohl noch etwas brauchen, um alles nachzulesen. Nachdem ich nach zwei Lesungen aus meinem eigenen Werk "Der schwarzen Wölfe Schrei" (ISBN: 9783739220871) und einer Pause von einem Jahr nun doch weiter dran bleiben möchte und weitere Lesungen anstrebe.
So mancher Hobbyautor scheint ja gerade dadurch zum großen Erfolg gekommen zu sein, dass er von Verlagen abgelehnt wurde, die sein (oder ihr) Werk so umfrisieren wollten, dass es fast nicht wiederzuerkennen war. Hmmm ...
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Alt 06.01.2018, 17:13   #129  
G.Nem.
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Beiträge: 4.950
Der Anfang von deinem 'Der schwarzen Wölfe Schrei' liest sich wirklich
gut. Aber Pierre Brice und Lex Barker waren zwar befreundet, aber nicht
die engsten Freunde. Der engste Freund von Brice war ein anderer ...

Zitat:
Zitat von Spiegel-Online

SPIEGEL ONLINE: War Lex Barker wirklich einer Ihrer engsten Freunde?

Brice: Wir waren Freunde, aber keine Blutsbrüder.

SPIEGEL ONLINE: Wer unter Ihren Kollegen hatte für Sie das Zeug zum Blutsbruder?

Brice: Sie werden lachen. Mein Mörder!

SPIEGEL ONLINE: Ihr Mörder?

Brice: Ich meine meinen italienischen Kollegen Rik Battaglia, der mich
als Bandit Rollins im dritten Teil von "Winnetou" 1965 den Filmtod
sterben ließ. (...)
G.Nem. ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.01.2018, 11:28   #130  
Hondo
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Beiträge: 28
Freut mich, dass dir der Anfang meines Buches gefällt. Du darfst es gerne zuende lesen. Du wirst es wahrlich nicht bereuen! Dass Barker trotz enger Freundschaft nicht der beste Freund von Pierre Brice war, weiß ich. Die besten Freunde, so hatte Brice unter anderem geäußert, hatte er beim Militär. Ich habe für mein Buch akribisch recherchiert, hatte mehrfach mit dem Freund und Berater von Brice, Thomas Claaßen, Kontakt und er hat meine Beiträge korrigiert.
Im Wesentlichen geht es auch um Freundschaft allgemein und viele die es bis jetzt gelesen haben, waren extrem dankbar für das Buch und hinterfragen die Freundschaften in ihrem eigenen Leben! Ich werde dieses Jahr mit Lesungen aus meinem Buch und dem Thema Freundschaft unterwegs sein!
Hondo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.01.2018, 11:30   #131  
Hondo
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Beiträge: 28
Gibt es von Dir eine Homepage? Du bist schon länger (und aktiver als ich?) als Zeichner und Autor unterwegs?
Hondo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.01.2018, 13:10   #132  
G.Nem.
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Hab dir eine PN geschickt.
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