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Alt 30.08.2019, 19:40   #187  
Peter L. Opmann
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Die Spinne (Williams) 86 und 87
(= Der mächtige Thor 43)

Erscheinungstermin: 6/1977

Originalausgabe:
1) Journey into Mystery # 125

Story-Titel:
1) Das Treffen der Unsterblichen!

Original-Storytitel:
1) When meet the Immortals!

Zeichnungen:
1) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Stan Lee



Nun überschlagen sich die Ereignisse. Neben Thors Konflikt mit Odin, weil er Jane Foster seine Liebe gestanden hat, tritt nun neu die Auseinandersetzung mit Herkules, der überraschend als Rivale um Janes Gunst auftritt. Leidtragender der aktuellen Entwicklungen ist der „Dämon“, jener asiatische Medizinmann, der den verlorenen Nornenstein gefunden und mit ihm erstaunliche Kräfte gewonnen hat. Er wird von Thor auf wenigen Seiten abgefertigt, was überrascht, weil er so lange und sorgfältig als ernstzunehmender Gegner Thors aufgebaut worden war. Insgesamt liest sich diese Episode aber flott und unterhaltsam. Ich erinnere mich, daß sie mir schon als Kind gefallen hat, während ein Freund vor mir vom Auftritt des Herkules schon in der Vergangenheit genervt war.

Als Thor und der Dämon aufeinanderprallen, wird schnell klar, daß der Träger des Nornensteins kein Gegner für den Donnergott ist. Ihm fehlt jegliche Erfahrung. Einmal darf er (vergeblich) einen Felsen auf Thor schleudern, dann ist er schon fast am Ende. Er ruft die Krieger seines Stammes dazu auf, eine Kanone auf Thor abzufeuern. Aber der sorgt dafür, daß sie explodiert, bevor er von einer Rakete getroffen werden kann. Die Wilden fliehen, der Dämon ist betäubt, so daß ihm Thor leicht den Nornenstein abnehmen kann.

Währenddessen ist Herkules auf der Erde angekommen und hält in freier Natur ein Nickerchen. Er wird durch einen Zug geweckt, dessen Fahrt von einem quer über den Schienen liegenden Baum aufgehalten worden ist. Herkules beseitigt das Problem. Als er erfährt, daß der Zug zu einer größeren Stadt (nämlich New York) unterwegs ist, fährt er neugierig mit. Er will sich in der Stadt amüsieren. Thor bringt derweil Odin den verlorenen Nornenstein zurück, muß aber feststellen, daß der Göttervater wegen seiner Beziehung zu Jane Foster mächtig sauer ist. Thor soll zunächst von Balder getötet werden (der sich aber weigert) und dann das „Ritual der Klingen“ über sich ergehen lassen, was nichts anderes bedeutet, als daß alle Krieger Asgards Thor zu erschlagen versuchen. Aber der macht sie alle platt und überwindet zum Schluß auch Heimdahl (bisher Heimdall genannt) per Überschallknall.

Gegen den ausdrücklichen Befehl Odins kehrt Thor auf die Erde zurück. Hier hat sich Herkules inzwischen ausgerechnet mit Jane Foster angefreundet, die ihn im ersten Moment für Thor hielt. Ihr gefällt der kultivierte und lebenslustige Gott, und Herkules scheint von ihr ebenfalls sehr angetan zu sein. Herkules hat bereits das Interesse von Hollywood auf sich gezogen, und er rechnet eben mal mit einer Gangsterbande ab, die das Lokal überfallen will, in dem er diniert.

Als Thor in dem Restaurant auftaucht, wirft Jane ihm vor, sie schon wieder ohne jegliche Erklärung alleingelassen zu haben. Thor will sich rechtfertigen, aber nun wird Herkules, der zunächst Thor ehrerbietig begrüßt hatte, ungnädig. Weil Thor seine neue Freundin ungefragt angesprochen, ihn dagegen völlig ignoriert hat, schlägt er ihn nieder. Nun stehen sich die beiden Götter wutentbrannt gegenüber. Jane hat zuvor schon eine Einschätzung abgegeben: Herkules sei ebenso stark wie Thor, aber rücksichtsloser und brutaler. Da können wir nur gespannt sein, wie der Zweikampf ausgehen wird.

Genau genommen, haben wir noch einmal eine Übergangsausgabe vor uns. Weil aber so viel passiert, merkt das der Leser gar nicht gleich. Ich finde die Ausgabe immer noch recht gelungen, obwohl man sich wünschen würde, daß die Beziehung von Jane zu Thor und zu Herkules besser ausgearbeitet wäre. Sie changiert ziemlich zwischen hilflosem Mädchen und selbstbewußter Frau, ist aber letztlich nur das Mittel, das den Konflikt zwischen den beiden Göttern in Gang bringt. Das „Ritual der Klingen“ ist in vor Action platzenden, großformatigen Bildern ausgemalt. Herkules tritt hier fürs erste mit stämmiger Gestalt und einem Vollbart auf, der ihn älter erscheinen läßt. Später, als er den Rächern beitritt, wird er athletischer und jugendlicher. Nebenbei findet man ein paar Hinweise auf die Zeit, in der dieser Comic entstanden ist: Im Kino waren gerade monumentale Sandalenfilme angesagt, weshalb ein Hollywoodagent Herkules sofort unter Vertrag nehmen will. Und als er zur Gitarre greift, halten ihn die Gäste des Restaurants für einen Folkie. Folk war damals eine erfolgreiche Seitenlinie der Countrymusik – Bob Dylans Frevel mit der elektrischen Gitarre lag noch in der Zukunft.


Geändert von Peter L. Opmann (31.08.2019 um 08:17 Uhr)
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