Thema: G. F. Unger
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Alt 11.06.2019, 20:29   #6  
Hardy
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Interview mit G. F. Unger / Mai 1975
Quelle: Science Fiction Times

Frage: Herr Unger, wieviel Westernromane haben
Sie bisher geschrieben?

Unger: Ich habe mehr als 350 Romane publiziert. Es handelt
sich dabei um Buchromane von zumindest 254 Seiten. Die-
se Buchromane werden zumeist als Taschenbücher nach-
gedruckt und dann stark gekürzt in Heftform verwertet. Ich
habe niemals einen reinen Heftroman geschrieben. Dies
allein schon macht den großen Unterschied zwischen mir
und anderen Western Autoren deutlich. Bei einer Roman-
zahl von 350 Stück kann ich jedes Jahr um die 60 Roma-
ne nachdrucken lassen und bin erst nach fast 6 Jahren
durch. Dies wiederholt sich schon seit fast 20 Jahren. Ich
schreibe jede Woche einen neuen Roman, früher waren
es mehr. Die Gesamtauflage meiner Romane nähert sich
der 50 Millionen Grenze. Es gibt in vielen Sprachen Über-
setzungen. 54 Romane sind von mir in den USA erschie-
nen.

Frage : Wie sollte, Ihrer Meinung nach, ein Western
aussehen, was sollte er beinhalten?

Unger: Irgendein berühmter Mann sagte einmal: "Ein
Western ist eine einfache Geschichte, die mit der Kraft
einer griechischen Tragödie erzählt werden muß." Nach
diesem Motto versuche ich, meine Western zu schreiben.
Ich schreibe nicht, um eine Reihe gewalttätiger Szenen
und ein Menge Tote und Blutvergießen zu schildern,
sondern um zu zeigen, wie Menschen mit Mut und Gott-
vertrauen den Westen eroberten und aus ihren primitiv-
sten Bedürfnissen heraus eine neue Zeit, eine Zivilisation
und verwaltende Ordnung schufen. Man bedenke nur die
Leistungen wie den Bau der Union Pacific oder die großen
Rindertreiben von Texas nach Kansas zur Eisenbahnlinie!
Es geht mir bei meinen Western um allgemeingültige Aus-
sagen und sei es auch nur um die der Fairneß, des gegen-
seitigen Beistehens, des Verstehens und Vertrauens. Ohne
diese Werte konnte der Westen damals nicht erobert wer-
den. Und in unserer heutigen Zeit verkümmert das alles.

Frage: Fällt Ihnen eigentlich bei der großen Anzahl von
Romanen, die sie bisher geschrieben. haben, immer
noch etwas neues ein?

Unger: Es fällt mir immer etwas neues ein, denn es kommt
ja bei mir nicht auf die sieben Grundthemen des Western
an, sondern um die Menschenschicksale und deren Pro-
bleme. Und die gibt es ohne Zahl. Ich nehme mir nur histo-
rische Stoffe zum Beispiel und habe auch Karten der Ge-
genden, in denen meine Romane spielen. Aber nicht nur
das: In meinem Archiv befinden sich auch Zeitungen, Be-
richte und Biographien von damals.

Frage: Sie schreiben auch unter einer Reihe von
anderen Namen?

Unger: Meine Pseudonyme sind G. F. Unger, Gert F.
Unger, G. F. Bucket, A. F. Peters, Broderick Old.

Frage: Sie sind nicht mit G. F. Waco, G. F. Barner,
G. F. Wego identisch?

Unger : Nein, das ist ein Irrtum. Letztere Autoren versuchen
nur, mich zu kopieren, um den Leser zu täuschen. Der Autor
Wego, Waco und Barner heißt Basner, der auch unter dem
Namen Howard Duff bekannt ist. Als er mit diesem Namen
nicht den großen Erfolg hatte, verlegte er sich auf Namen mit
G.F. 's davor. Diese Namen waren zumeist Titelhelden aus
meinen Romanen. Inzwischen wissen die Leser aber längst
Bescheid, zumal ich meinen Schreibstil variiere und es ande-
ren Autoren doch schwerer fällt, immer wieder umzustellen
auf Ichform, auf Gegenwart usw.

Frage: Wie verkaufen sich Ihre Romane? Besser als die
anderer Western-Autoren? Wie hoch sind die Auflagen?

Unger: Die Auflagen sind hoch. Bei Unger-Romanen gibt es
weniger Remittenden, die dann im zweiten Verkaufsweg im
Ausland verkauft werden müssen. Es ist aber auch so, dass
sich meine Western doch sehr von den Geschichten der an-
deren Autoren unterscheiden und dass es da einen Klassen-
unterschied gibt, der bei manchen Autoren mehrere Klassen
ausmacht. Das ist kein Eigenlob. Meine Romane können sich
durchaus mit denen der besten Amerikaner, wie Ernest Hey-
cox, Clay Fisher oder Louis L 'Amour messen.

Frage: Wer, glauben Sie, sind Ihre Leser?
Unger: Die Schichten meiner Leser gehen durch das ganze
Volk. Ich werde von Ärzten, Anwälten, Richtern, Pastoren,
Kraftfahrern, Lehrern, Studenten, vielen Frauen und natürlich
allen Sorten von Jugendlichen gelesen. Ich werde wahrhaftig
vom ganzen Volk gelesen und betrachte mich als Volksschrift-
steller, denn meine Aussagen sind wohl als Western verpackt,
doch aber allgemeingültig. Ich erhalte Leserbriefe aus aller
Welt.
Das Gespräch mit G. F. Unger führte Ronald M. Hahn.
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